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07. December 2010

Abschluß von: Selbst schuld, wer mit der Lot fliegt.


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Zähnefletschen nützt auch nix (Foto: flickr.com)

Anfang Jänner 2010 - Sieben Stunden Zwangsaufenthalt am Flughafen Warschau.

Was, der Passagier regt sich darüber auf? Es steht ja nirgends, dass zusätzliche Sicherheitskontrollen für Transitpassagiere aus EU-Ländern nur in Verdachtsfällen durchgeführt werden dürfen – als Disziplinierungsmassnahmen eignen sie sich vortrefflich: „Wir dürfen das!“ Inklusive Schuhe ausziehen. Nein, Schuhlöffel zum Wiederanziehen haben wir nicht und Englisch verstehen wir leider jetzt auch nicht. Na so was, der lästige Fluggast will den Supervisor sprechen? Aber gerne! Es wird nur leider etwas dauern, denn der ist leider, leider wahnsinnig beschäftigt.

 

Es geht um den Umgang mit der P.T. Kundschaft.

 

Diese besteht im Falle von Flughäfen aus Passagieren, die sich mitunter lange und selten freiwillig dortorts aufhalten. Etwa weil die zugehörige nationale Fluglinie ihre Reisenden stark verspätet herangeschafft und ohne jegliche Information abgeladen hat.

 

Da ist’s auch egal, wie viele Wien-Flieger unterwegs den Stewardessen das Problem nachhaltig geschildert und flehentlich um Information des wartenden Piloten gebeten haben. Genützt hat alles nichts. Die Anschlussflüge sind weg. Man hätte seine persuasive Energie für Besseres aufsparen sollen.

 

Statt der verzichtbaren meteorologischen Daten hätte der Erste Offizier Informationen über die möglichen oder verfehlten Anschlussflüge geben sollen. Damit hätte er sowohl den äußerst hochgeschätzten Paxen – „... und danken wir Ihnen, dass Sie für Ihren Flug LOT gewählt haben..“ – als auch dem gequälten Bodenpersonal einiges an Frust erspart. Den einzigen Hoffnungsschimmer verbreitet der strahlende männliche Flight Attendant mit seiner Zusicherung, der Flieger nach Wien würde warten. Völlig aus der Luft gegriffen, wie sich gleich zeigt.

 

So sind also am Flughafen Warschau sieben Stunden abzusitzen oder dem schlaflosen Atlantikflug noch eine mürrische Stadtbesichtigung bei schlechtem Wetter folgen zu lassen.

 

Wer nach den Frustrationen dieser Nacht noch nicht bleischwer dahinkriecht sondern aufmuckt, wird mit denselben Methoden zum Schweigen gebracht, die sich schon in der kommunistischen Vergangenheit Polens ‚bewährt’ haben: Dem wartenden (Transit)passagier wird die Zeit mit wiederholten Passkontrollen verkürzt. Auch neuerliche Security Checks kommen gut.

 

Technische Details:

Samstag, 2. 1. 2010, Flug LO 012 aus NY Newark ab 19.05, Warschau an 3. 1. 2010 Uhrzeit 9.35, geplanter Anschlussflug nach Wien LO 5221, Buchungscode X4ST77, Vorgang A90808/0152, ETKT 080 6053328031

ID der beiden ‚pflichtbewussten’ Sicherheitsbeamten 01499 DD (männlich) und 01532 DD (weiblich)

 

Wie es weiterging:

- LOT erklärte sich für die Verspätung nicht verantwortlich (technischer Defekt der Maschine) und daher zu keiner Entschädigung verpflichtet (Brief vom 12. 1. 2010, Aktenzeichen REK 4/10))

- LOT erklärt sich für nicht verpflichtet, den behaupteten technischen Defekt nachzuweisen (email vom 19. Januar 2010 („ ... es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir die internen technischen Dokumente den Fluggästen nicht zur Verfügung stellen dürfen. Diese werden ausschließlich den beauftragten Institutionen z. B. dem Luftfahrtbundesamt, der Schlichtungsstelle, vorgelegt.“)

- LOT schickt nach mehrmaliger Aufforderung die Adresse des deutschen Luftfahrtbundesamtes (8. März 2010) als Ansprechstelle.

- Dieses erklärt sich allerdings für nicht zuständig und schickt die Adresse der Polnischen Flugüberwachung.

- Die erste Beschwerde an die Polnische Flugüberwachung kommt als unzustellbar wieder zurück

- Nach weiterem Schriftverkehr nimmt die Polnische Flugüberwachung meine Beschwerde zur Kenntnis und beginnt mit einer Untersuchung.


Das gute Ende:

- Nach geschätzt 100 Urgenzen per email und eingeschriebenen Briefen kam ein erstes Angebot für eine Entschädigungszahlung (Euro 125). Im zweiten Schritt erhöhte die LOT auf Euro 250. Ende November einigten wir uns auf Euro 600, die umgehend überwiesen wurden.


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