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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

11/2023: Manbrella - super-cool!

Zwar haben wir noch 6 Wochen Zeit, aber Weihnachten kommt unaufhaltsam näher. Wer jetzt schon auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk ist, bekommt einen „heißen“ Tipp von mir. Was ist schön, praktisch, klimabewusst, trendig und – im wahrsten Sinne des Wortes – cool?

Richtig geraten, ein Sonnenschirm für den nächsten Sommer! Natürlich nicht der für Balkon oder Terrasse, den eh fast jeder schon hat, sondern einen zum Mitnehmen – und zwar für alle!

Das Vorbild dafür ist Japan.

Japanische Künstler haben das Motiv tausendfach verewigt: Graziöse Damen in reizenden Kimonos trippeln unter einem dekorativen Sonnenschirm, um ihre helle Haut zu schützen. Der Umbrella, ein klassisches Sujet von Weiblichkeit.

Copyright: Ministry of Foreign Affairs of Japan

Angesichts der Klimaerwärmung, unter der auch Japan leidet, empfehlen Dermatologen jedoch Sonnenschirme für alle, da sie sowohl UVA- als auch UVB-Strahlen blockieren und so das Hautkrebsrisiko senken. Sonnenschirme verhindern auch schmerzhafte Sonnenbrände und Hitzeerschöpfung an heißen Tagen. Für diejenigen, die im Freien arbeiten, wie zum Beispiel Bautrupps, erhöhen Sonnenschirme die Sicherheit und Produktivität.

Kampagnen wie ‚Higasa for All‘ (‚Sonnenschirme für alle‘) wurden gestartet. „So kannst Du immer im Schatten gehen. An heißen Tagen sinkt mit dem Sonnenschirm die gefühlte Temperatur um 7 Grad.“ Nach Angaben des japanischen Umwelt-Ministeriums verringern Sonnenschirme das Schwitzen um 20 Prozent im Vergleich zum bloßen Tragen eines Sonnenhutes.

Die Sonne killt Geschlechter-Klischees

Jetzt kommt das Stichwort Manbrella ins Spiel: Mit ‚Sonnenschirme für alle‘ sind tatsächlich alle gemeint, also auch Männer. Und Kinder. Bereits im Jahr 2017 haben 20 Staatsangestellte in Kumagaya, der heißesten Stadt Japans, einen Verein zur Verbreitung des Sonnenschirms unter Männern gegründet, Als lebende Vorbilder pendeln sie täglich im Sommer mit dem Higasa zur Arbeit. Das Wort Higasa Danshi, der ‚Sonnenschirm-Mann‘, hat es bereits zweimal auf die Auswahl-Liste für das Wort des Jahres geschafft.

Unser Freund Yuta, ein sportlicher Mitdreißiger, erklärte uns unlängst, noch vor wenigen Jahren hätte er nicht im Traum daran gedacht, einen Sonnenschirm zu verwenden. Doch als er merkte, wie schlapp und erschöpft er morgens in seinem Büro an der Universität ankam, hat er sich doch zu einem Sonnenschirm entschlossen und ist jetzt sehr froh darüber.

Nachdem wir also die erste Zielgruppe geklärt haben, geht es um die richtige Produktauswahl:

Für den eleganten Herrn: Schirme in dunklen, neutralen Farben statt Blümchen und Pastellfarben sollen es Männern leichter machen, das männliche Klischee zu verlassen, hart im Nehmen sein zu müssen und auf Sonnenschutz zu verzichten. Plastikschirme aus chinesischer Produktion gibt es um ungerechnet gerade einmal 3 Euro, handgemachte Qualitätsschirme mit einer zusätzlichen UV-reflektierenden Schutzschicht kosten bei einem traditionellen japanischen Hersteller Euro 150 und mehr und sind nur gegen Vorbestellung und Wartezeit zu bekommen. Auch der Verkauf in den Herrenabteilungen der Kaufhäuser boomt, wo sie allerdings meist von Frauen gekauft werden, die von ihren Männern ausgeschickt wurden.

Das Logo der heißen Stadt Kumagaya, ca. 50 km nördlich von Tokyo.

Wie erwähnt, sollen auch (Schul)Kinder mit Sonnenschirmen geschützt werden. Dafür hat beispielsweise die Stadtverwaltung der heißen Stadt Kumagaya spezielle Sonnenschirme für Kinder gratis verteilt: Gemacht aus Fiberglas, daher mit nur 336 Gramm extrem leicht und somit auch für jüngere Schulkinder geeignet. Süß ist das Stadtlogo: Zwei Bären, die ihre Arme umeinander legen. ("Kuma" bedeutet "Bär").

 

Der schützende Sonnenschirm, den wir heute als ‚typisch japanisches Frauenaccessoire‘ empfinden, kam übrigens ursprünglich aus dem Orient und aus Asien, etwa aus Mesopotamien, Ägypten, China und Indien. Von da gelangte er im 17. und frühen 18. Jahrhundert nach Europa, nun nicht mehr als Statussymbol der Herrscher, sondern als Utensil für Damen aus gehobenen Kreisen. Vor allem in Frankreich wurde er sehr populär und formte das Sprachbild: ‚Parasol‘ kommt aus dem Französischen, ‚Umbrella’ leitet sich vom lateinischen ‚umbra‘ (Schatten) ab.

Meine bisherigen 'Fingerübungen' und Newsletter können hier nachgelesen werden. Ich freue mich, wenn sie weiterverbreitet werden!

Meine Fingerübungen kommen hin und wieder, wenn ich etwas zu erzählen habe.
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