Susanne Krejsa MacManus

Wiener Frösche

Wer auf der Fahrt mit dem Autobus 59 A stadtauswärts nicht auf sein Handy sondern aus dem Fenster schaut, wird staunen: Vom wunderschönen Jugendstilhaus Margaretenstraße 100 im 5. Wiener Gemeindebezirk schauen zwei Frösche herunter. 

Was den Architekten Hans Schimitzek (1875-1957) im Jahr 1902 dazu bewogen hat, Frösche auszuwählen, ließ sich nicht herausfinden. Zumindest von mir nicht. 

Generell sind Froschdarstellung in Wien selten. Bekannt sind vielleicht die vier wasserspeienden Bronzefrösche am Tilgnerbrunnen (Karlsplatz/Resselpark vor dem Gebäude der Evangelischen Schule im 4. Bezirk), die der Bildhauer Viktor Tilgner (1844-1896) im Jahr 1902 gestaltete. Während des Zweiten Weltkrieges gingen die vier Froschstatuen verloren und wurden 1947 nachgegossen.

Ebenfalls wasserspeiend sind die drei fröhlichen Frösche des Fröhlichhofs in Wien-Meidling, 1929 vom Architekten Stanislaus Plihal gestaltet. Der Name "Fröhlichhof" leitet sich übrigens ab vom Namen der Fabrikantentochter Katharina Fröhlich (1800-1879), der "ewigen Braut" des Dichters Franz Grillparzer. Katharina und ihre Schwestern waren auch die Universalerbinnen Grillparzers.

Allerdings ist Wasserspeien für Frösche untypisch. Wie sie sich in Wirklichkeit verhalten, zeigen uns die Gedichte der Wiener Schriftstellerin Traude Veran, die ganz in der Nähe des Tilgnerbrunnens wohnt. Sie beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der klassischen japanischen Gedichtform Haiku

Was das ist, erklärt uns Google: „Ein Haiku besteht aus drei Zeilen, wobei die erste und dritte Zeile jeweils fünf Silben und die zweite Zeile sieben Silben hat. Es ist eine kurze Gedichtform, die sich auf die Natur, Jahreszeiten oder flüchtige Momente konzentriert. Haiku sind bekannt für ihre Klarheit, Prägnanz und ihren Fokus auf die sinnliche Wahrnehmung.“

Vergleichsweise handfest führt uns hingegen der österreichische Künstler Gottfried Kumpf (1930-2022) die Welt der Frösche vor: Am Zwickel Simmeringer Hauptstrasse / Kaiser-Ebersdorfer-Strasse steht sein 300 Kilo schwerer Froschkönig auf einer Kugel aus rostfreiem Stahl. Wer den Weg dorthin scheut, kann seinen Zwilling im Schönbrunner Tiergarten vor dem Regenwaldhaus besuchen.

 

Ganz so freundlich wie der Frosch im Märchen vom Froschkönig der Brüder Grimm ist, hat ihn die Wiener Bevölkerung wohl nicht eingeschätzt, denn der (grün lackierte) Arrestantenwagen der Polizei wurde im Volksmund „Frosch“ genannt: Nach 200.000 Dienstkilometern wurde er vor wenigen Jahren ausgemustert

Unter den 17 Amphibienarten, die bisher in Wien nachgewiesen wurden, befinden sich Laubfrösche, Moor-, Spring- und Grasfrösche sowie die schwer unterscheidbaren Wasserfrösche (See-, Teich- und Kleiner Teichfrosch).

Doch was tun, wenn sich die Nachbarn vom Frosch-Gequake gestört fühlen? Oder wie Traude Veran es in ihrer Nachdichtung humorvoll formuliert:

Dazu der Verein für Konsumenteninformation in einer Fragebeantwortung aus dem Jahr 2011: Gemäß der Wiener Naturschutzverordnung gelten Frösche als streng geschützte Art. Das heißt, haben sich derart geschützte Tiere angesiedelt, dürfen sie grundsätzlich ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde weder entfernt noch darf der Teich zugeschüttet werden.“

Das ist gut für die Wiener Tierfotografin Ilse R., die mit ihrem Equipment anrückt und auf die Geduld der Frösche hofft.

Also gehen wir zurück zu den eher sesshaften Individuen, die sich in Wien finden lassen: Dem Schweizer Historiker und Wikipedia-Kulturbotschafter Diego Hättenschwiler verdanke ich u.a. einen Frosch von Alfons Riedel aus der Jedleseer Strasse. 

Doch warum schaut er bloß so grießgrämig drein? 

Vielleicht steckt ihm ja ein Frosch im Hals, wer weiß?