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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

11/2013: Heute nicht ich

Hallo ###USER_email###,

http://www.youtube.com/watch?v=p5OM0jduXwI#t=19

Ich muß ja nicht immer für meine eigenen Bücher Werbung machen, sondern wir haben auch berühmtere Autoren in der Familie: Beispielsweise meinen Schwager James MacManus.

Gelangweilt saß er als Sechzehnjähriger mit seinen Klassenkameraden im Literaturunterricht, als sein Lehrer Geoffrey Shepherd von einem toten Dichter zu erzählen begann: Einem Franzosen namens Charles Beaudelaire.

Gähn. Sechzehnjährige Jungs sind an toten Dichtern nur mäßig interessiert. Ein bißchen spannender wurde es, als die Sprache auf Charles' alleinerziehende Mutter kam: Wie sehr der Sohn ihre Schönheit liebte, ihren Schmuck, ihre Pelzstolen und ihre schweren Parfums, die Charles riechen konnte, wenn sie ihn an ihren bemerkenswerten Busen drückte, bevor sie abends in die Oper ging. 

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Richtig interessant wurde es aber, als der Lehrer auf Drogen, Alkohol und Prostituierte zu sprechen kam, die Beaudelaires Leben geprägt hatten.

Eine von ihnen hieß Jeanne Duval (c.1820 – 1862), uneheliche Tochter eines weißen Plantagenbesitzers auf Haiti mit einer schwarzen Sklavin. Nachdem sie es irgendwie nach Paris geschafft hatte, verdiente sie sich dort ihren Lebensunterhalt als Tingeltangel-Sängerin und Nachtklubtänzerin.

Bis sie Charles Beaudelaire (1821-1867) traf, einen Dandy, der über seine Verhältnisse lebte, mit Nichtstuern und Möchtegern-Literaten herumhing, zu viel trank, drogenabhängig war und an Syphilis sterben sollte. Er gilt heute als einer der größten französischen Lyriker und als einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen literarischen Moderne.

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Seine literarische Qualität verdankt er zum großen Teil seiner verkommenen Muse, mit der er zwanzig stürmische Jahre verbrachte. Mit 36 Jahren veröffentlichte er Die Blumen des Bösen, eine Sammlung von 100 Gedichten, mit der er in die Literaturgeschichte eingehen sollte. Ihre Grundstimmung ist desillusioniert, pessimistisch und melancholisch, gleichzeitig formal und sprachlich äußerst ausgefeilt. Für junge Teenager ein harter Brocken, selbst wenn die Einleitung dazu so aufregend daher kommt wie in diesem Fall.

Mein Schwager James und seine Schulkollegen blieben dran, arbeiteten sich mit Hilfe des Lehrers durch Beaudelaires schwer verständliches Werk, beschäftigten sich mit dem Zwiespalt zwischen den Mächten des Hellen und Guten und denen des Dunklen und Bösen, geradezu des Satans. Sie hatten 'Futter' zum Nachdenken.

James sagt, dass ihn Beaudelaire seither nicht losgelassen hat. Wie konnte Jeanne Duval solche Macht über ihn gewinnen, dass er sich ihretwegen sogar von seiner vergötterten Mutter entfernte? Wie konnte eine von seinen Biografen als ungebildet, unmoralisch und berechnend verhöhnte Schlampe das Talent des Dichters zu solchen Meisterleistungen emporheben? Es ist rätselhaft.

Diesem spannenden Rätsel geht James in seinem neuesten Roman 'Black Venus' nach, der im Mai in den USA erschienen ist und im kommenden Februar von einem englischen Verlag publiziert wird: www.jamesmacmanus.com


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