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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

11/2016: Mander s'isch Zeit!

Mein Statement zur Diskussion um den Bundespräsidenten ist kurz und klar: Wir brauchen einen. Bald!

Zwar findet die nächste Olympiade erst im Februar 2018 statt, deren österreichische TeilnehmerInnen Kraft aus seinem ermutigenden Händedruck ziehen werden („Dazu möchte ich meine Wertschätzung und Bewunderung in aller Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen.“)

Die Anwesenheit des Bundespräsidenten ist aber für andere HochleisterInnen schon viel früher bedeutungsvoll, nämlich bereits im nächsten Frühjahr, Stichwort ‚Sub auspiciis praesidentis rei publicae‘.

Das ist eine der raren Gelegenheiten, bei denen exzellente StudienabsolventInnen auch einmal etwas von offizieller ‚Wertschätzung und Bewunderung‘ abkriegen. Denn ihre Ausnahmeleistungen sind deutlich weniger medientauglich als die von SportlerInnen, wie generell die politische Aufmerksamkeit für einheimische Wissenschaft und Forschung an die für Sport niemals heranreicht.

Ehrenring von Kaiser Franz Joseph

So ist die bundespräsidentiale Anerkennung wenigstens ein kleines Zeichen - und setzt noch dazu eine jahrhundertealte Tradition fort: Seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es die Promotiones sub auspiciis Imperatoris für herausragenden Studienerfolg - samt Überreichung eines Ehrenringes.

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Die österreichische Republik schuf sich einen eigenen, neuen - zwar auch aus Gold, aber ohne Diamanten. Er wird jenen Universitätsabsolventen überreicht, die alle Schuljahre der Oberstufe sowie ihr gesamtes Studium mit Bestnoten und in der Mindestzeit absolviert haben. Der Ring "soll die Absolventinnen und Absolventen symbolisch an den Staat binden, der ihnen die Ausbildung ermöglicht hat." Bei der klobigen Version aus den 1950ern - ihr Stil wurde hausintern ‚Kammerbarock’ genannt - , war wohl hauptsächlich an männliche Absolventen gedacht worden. Hergestellt wird das Stück (Wert ca. € 2.000) seit jeher vom Wiener Traditionsjuwelier Köchert.

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2013 schrieb das Wissenschaftsministerium unter den österreichischen Kunstuniversitäten einen Wettbewerb für einen neuen Ring aus, der alltags- und gendertauglich sein sollte: "Das Design soll dem herausragenden Anlass als höchste Auszeichnung für einen universitären Studienabschluss entsprechen. Eine serienmäßige Fassung muss möglich sein." Aus rund 30 Einreichungen wurde die zu einem Fünfeck verdrehte Möbiusschleife von Julia Obermüller ausgewählt.

Außer lobenden Worten und besagtem Ring gab es anfangs eine feste Assistentenstelle an der Universität, um unsere Genies im eigenen Land zu halten. Das ist Vergangenheit. Seit 2012 erhalten die Ausgezeichneten stattdessen ein einmaliges Wissenschaftsstipendium von € 9.000.

Mehr als tausend AbsolventInnen* wurden in den über sechzig Jahren seit der Wiedereinführung der ‚allerhöchsten‘ Wertschätzung und Bewunderung ausgezeichnet, einige sogar zwei Mal. Für Bewerbungen ist die Auszeichnung übrigens nicht immer von Vorteil. In Deutschland wird sie gelegentlich als ‚putzig‘ belächelt, als Zeichen österreichischer Eigenartigkeit zwischen Topfenstrudel und Wiener Schnitzel - "da kommt der Bundespräsident und steckt den Leuten einen Ring an, als würde er sie heiraten wollen". Im englischen Sprachraum mussten BewerberInnen gelegentlich zuerst Skepsis überwinden, denn wer Prüfungen gut macht, ist nicht unbedingt auch in der späteren Arbeit gut.

Der (neue) Bundespräsident muss übrigens nicht persönlich an der Zeremonie teilnehmen, er kann sich auch vertreten lassen. Beispielsweise durch den/die WissenschaftsministerIn, wenn die Republik sich gerade einmal eine/n leistet. Aufrichtig zu gratulieren, mit Wärme und Klugheit seiner Anerkennung und Bewunderung Ausdruck zu verleihen, ist allerdings nicht jedem gegeben. Es kann auch peinlich werden, etwa wenn der Gratulant die Gelegenheit um-nützt, um seine eigenen Enttäuschungen aufzuarbeiten. So gelang es einem ehemaligen österreichischen Wissenschaftsminister (2011-2013), dem ergriffen lauschenden Publikum darzulegen, dass auch er selbst 'eigentlich' eine ‚Sub-auspiciis-Promotion‘ gehabt hätte - wäre da nicht ein übelwollender Professor gewesen, der ihm den Traum zerstört habe.

Mir geht es wie ihm - auch mir hat kein Bundespräsident zur Promotion gratuliert. In meinem Fall war daran allerdings kein übelwollender Professor schuld.

* Eine von ihnen ist meine Freundin Katharina Hötzenecker. Sie ist anschließend nach Berlin ausgewandert. Warum? Ganz einfach: Es gab kein vergleichbar gutes Jobangebot aus Österreich!

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Meine Fingerübungen kommen hin und wieder, wenn ich etwas zu erzählen habe.
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