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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

1/2014: Eins auf die Bohne

Hallo ###USER_email###,

Danke Dir, barmherziges Schicksal! Wenn ich schon nie so eine kuschelige rosa Schlupfhaube aus flauschigem Angora bekommen habe wie meine drei allerbesten Freundinnen, so gibt es wenigstens kein Foto von mir mit den kratzigen Monströsitäten in grenzwertigen Farben, die man mir als Kind aufgezwungen hat: „Bitte setz Dir was auf, sonst verkühlst Du Dich!“ Wenigstens dafür bin ich Dir dankbar. In Zeiten des Internet wäre die Gefahr zu groß, dass so ein Peinlich-Foto plötzlich irgendwo auftaucht. Ich müsste mich ja zu Tode genieren.

Aber wer weiß? Vielleicht würde sich „Susi mit Mütze, 5 Jahre“, oder „Susi mit Mütze, 9 Jahre“ ja sogar zu einem Hit auf Youtube hochkatapultieren? Meine bejahrte Mutter würde telefonische Anfragen nach Bezugsquellen von off-colour Wolle und Strickanleitungen als verspätete Wertschätzung sicher sehr genießen.

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Denn was ich heute auf den Köpfen der herangewachsenen Jugend sehe, ist auch nicht besser. Wahlberechtigte Menschen beiderlei Geschlechts tragen freiwillig, vorsätzlich und offenbar sogar freudvoll Ungetüme am Kopf, die es mit den Auslösern meines therapieresistenten Kindheitstraumas supereasy aufnehmen können.

Seit die Designverwirrungen der Sechziger- bis Achtzigerjahre Kultstatus - und stolze Preise - erreicht haben, werden wir schmerzhaft an Jugendsünden erinnert, die wir längst schamrot bei Caritas, Diakonie oder Volkshilfe entsorgt haben. Geschieht uns ganz recht, dass wir nach dem Revival von Plateauschuhen, Trompetenhosen und überlangen Kragenspitzen jetzt auch diese Mützen ansehen müssen. Und im Gegensatz zu riskanten Plateauabsätzen kann man gegen Kopfbedeckungen nicht einmal Gesundheitsaspekte geltend machen - im Gegenteil: „Bitte setz Dir was auf, sonst verkühlst Du Dich!“

Außerdem würde es eh nichts nützen, denn geschmacksbildende Celebrities tragen sie ja auch. Brad Pitt, David Beckham und Ashton Kutcher (v. links) werden schon wissen, was schön ist.

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Und noch ein Quelle
Und diese hier

Auch der jedem weiblichen Wesen angeborene Schönheitssinn hat sie nicht vor wolligen Ausrutschern bewahrt, wie man allenthalben sehen kann.

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Weil die neuen-alten Mützen aber zugegebenermassen herrlich warm sind und außerdem den unbestreitbaren Vorteil haben, die Trägerin an einem 'bad hair day' oder 'bad mood day' vor bösartigen Blicken zu schützen, will ich sie nicht gänzlich verdammen.

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Daher 'share' ich jetzt mit meinen lieben Freundinnen und Freunden das Wissen, wie man sie richtig auswählt. In Frage kommt ohnehin nur das Beanie, das seinen Namen von der Birne - sorry Bohne - hat, über die man es stülpt. Als wäre es nicht ohnehin einerlei, welche Farbe dieses formlose Etwas hat, gibt das Wochenendmagazin der ehrwürdigen Times Antwort auf die brennende Frage "Am I too old for a beanie?"

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Dieses "essential component of winter" muß mit Bedacht ausgewählt werden, weil es ein "Fashion Statement" ist. Und wenn man schon bis zu 245 Pfund dafür ausgibt, dann soll es wenigstens das richtige sein. Beanies mit Teddyohren sollte man lieber den heranwachsenden Töchtern überlassen, sagt The Times. Was mich betrifft, bin ich nicht sicher, ob ich ein Foto „Susi mit Teddyohrenmütze" gerne im Familienalbum kleben haben möchte.

Die einfachste Lösung wäre, sich irgendein schwarzes Ding überzustülpen. Das kann The Times nach Rücksprache mit Dame Vivienne Westwood absolut nicht empfehlen. Denn Schwarz macht blaß. Besser greifen die nicht mehr ganz Jungen zu einer weniger dramatischen Farbe, beige, olive oder grau. Wie es sich mit Angora-Rosa verhält, muss ich erst klären. Das wäre dann wenigstens ein halber Trost.


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