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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

1/2015: Wie war der Urlaub?

Weihnachtswetter in Wien

Ich glaube an das Gute und Schöne. Absolut. Immer. Speziell was das Wetter betrifft: Auch wenn es noch so stürmt und der Regen unbarmherzig auf uns prasselt -  ich bin überzeugt, dass ich schon ein Zipfelchen blauen Himmels entdeckt habe.

Aber hinsichtlich des Wiener Wetters zwischen Weihnachten und dem Dreikönigsfest habe nicht einmal ich Illusionen: Es wird trüb. Entsprechend wird auch die Stimmung meiner Mitbürger sein – trübsinnig. Da das Wiener Gemüt ohnedies mehr zum Grant neigt als zu purer Lebensfreude, gibt es nur einen Ausweg: Flucht!

Weil wir diese Weihnachten kindermässig frei hatten, ließ sich der Fluchtgedanke umsetzen.

Weihnachtswetter in Funchal

Angestachelt durch Meike Winnemuths Bestseller, in dem sie beschreibt, wie es so ist, wenn man ein paar Wochen lang in einer zuvor unbekannten Stadt lebt, fassten wir auf einer mitternächtlichen Bahnfahrt zwischen St. Pölten und dem Wiener Vorort Purkersdorf den waghalsigen Plan, es mit Funchal zu versuchen: Kein elendslanger Flug, keine Tropenhitze. Stattdessen ein bekömmliches Klima und freundliches Licht am Himmel.

Okay, das mit der elendslangen Reise ließ sich dann doch nicht vermeiden, denn die portugiesische Fluggesellschaft TAP strapaziert den Geduldsfaden ihrer Kundschaft auch auf theoretisch kürzeren Routen erheblich. Aber irgendwann landeten wir schließlich doch am Flughafen von Funchal. Eh gut, dass es schon dunkel war; so mussten wir uns nicht die Augen zuhalten beim Anflug auf die knapp über dem Wasser liegende Rollbahn, die am alleräußersten Rand der Steilküste Madeiras klebt.

'Unser' Haus in Funchal

Wir hatten eine Wohnung gemietet. Sie entpuppte sich als ganzes Haus, inklusive Terrasse, Patio und Balkon, in einem zentralen Wohnviertel gelegen, mit allem ausgestattet, was man für drei Wochen so braucht (unter anderem ein Megaphon sowie eine Trommel!), und mit guten Referenzen versehen. Den im Mietpreis inkludierten Plastkchristbaum verbannten wir unmittelbar nach unserer Ankunft in den Abstellraum.

 

Funchal hat uns im Sturm erobert.

Wir bekamen alles, was man sich von einem Urlaub so wünschen kann:

Frühstück auf der Terrasse / Nachmittagstee im berühmten Reid’s / eine Orchideenfarm mit Korbsesseln und selbstgebackenem Kuchen / eine Markthalle voller Obst, Gemüse, Blumen, Fleisch und Fischen jeder Art /

Katzen! Hunde!

Friseurbesuch (so schön war ich noch nie!) / Katzen aller Farben / eine Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert / ein Museum mit flämischen Gemälden, die gegen Zucker eingetauscht worden waren / ein Neujahrskonzert mit Strauss-Walzern /

sonnenbadende Eidechsen / Seefahrten / Schnupfen (hartnäckig) / Delphine / Busfahrten im Höllentempo über unvorstellbar steile Strassen / Winterschlussverkauf / Creme brulee bei Theo’s / köstliches Wasser aus der Leitung /

Üppiges Grünzeug jeglicher Art

üppiges Grünzeug jeglicher Art / billige Taxis mit funktionierenden Taxametern / das beste Silvesterfeuerwerk ever seen / eine Fotosession im Studio /

und noch tausend weitere Goodies, die ich aber hier nicht ausbreiten will, denn meine LeserInnen hassen mich nach dieser Aufzählung sicher eh schon.

Wer unter den ‚Eingeborenen’ wohnt statt in einer Touristenburg, hat natürlich auch Nachteile: Den Gockel, der zwei Häuser weiter hartnäckig krähte, hätte ich gerne gebraten. Noch schlimmer waren die heulenden, kläffenden Hunde. Vor allem nachts. Die ersten beiden Nächte schliefen wir mit Ohropax. Aber wir hatten auch Mitgefühl mit ihnen. Viele von ihnen hängen an einer Kette. Ich möchte kein Hund auf Madeira sein.

H & M Funchal, Madeira

Eigentlich auch keine Eidechse, denn die Bauern stellen ihnen nach. Die Mauereidechsen (Podarcis dugesii) fressen nämlich Weintrauben und Bananen - Bananen sind aber mit einer Erntemenge von 15 Tausend Tonnen ein wichtiges Ausfuhrprodukt. Daher werden die Eidechsen systematisch vernichtet, obwohl sie die Borreliose-Bakterien unschädlich machen und Madeira daher vor dieser Krankheit schützen.

Eine echte 'Landplage' sind hingegen die Ameisen. Sie bevölkerten nachts unseren Küchenschrank von ganz links (Putzmittel) bis ganz rechts (Reis, Teesackerl). Auch im besten Hotel kommen sie vor, wie ein Blick in die Hotelbewertungen zeigt. Zum Glück sind sie aber winzig und beissen nicht, sollen außerdem naturwissenschaftlich besonders interessant sein. Von den Herren Alpert und Wetterer wurden allein 28 Arten aufgelistet.

Der Abschied von Meer und Sonnenhimmel, Designer-Wolken und Kopfsteinpflaster, vom Turmfalken vor unserem Balkon und den Katzen am Katzenfelsen im Hafen fiel uns schwer. Voll anhaltender Eindrücke aber physisch leichtfüssig kamen wir wieder nach Hause. Nämlich ohne Koffer, denn diese waren zu einer anderen Destination gereist. Inzwischen sind sie aber auch schon da. Es war ein traumhaft schöner Urlaub.

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