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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

3/2017: Ausstieg rechts.

Also eigentlich will ich Ihnen heute nur einen Link übermitteln. Den könnte ich natürlich simsen und mir das Schreiben eines Newsletters sparen. Aber dann würde der Link vielleicht nicht beachtet werden und das wäre doch schade. Daher erzähle ich zuerst, wie ich dazu komme, und dann können Sie selbst entscheiden, ob Sie klicken wollen oder nicht.

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Soeben bin ich aus der Wiener Lokalbahn aka Badner Bahn ausgestiegen. Sogar auf der richtigen Strassenseite. Dafür sorgte die Durchsage „Oooostieg rechts“. Langgezogen, typisch Wienerisch halt. Oder vielleicht reinstes Badnerisch? Jedenfalls eine Spezialität der Badner Bahn.


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Anders als in der Badner Bahn sind wir in der Wiener Strassenbahn und in den Zügen der ÖBB  glücklicherweise von ‚Oooostieg rechts‘ verschont. Dafür sorgte und sorgt immer noch unsere nationalheilige Chris Lohner, ehemalige Nachrichtensprecherin des Fernsehens, deren Stimme inzwischen zum österreichischen Kulturgut geadelt wurde. Auch in ihrem 73. Lebensjahr ist ihre Popularität ungebrochen und veranlasste die ÖBB nach Fahrgastprotesten zu allerlei technischem Aufwand, um die bereits entsorgte Stimme computertauglich zu bewahren.

Der richtige Tonfall ist halt wichtig für die nationale Identifikation, deshalb haben es auch Radiojournalisten mit deutscher Zunge nicht leicht bei uns. ‚Man spricht Deutsch’ gilt im Radio nicht.

Weniger empfindlich sind wir allerdings, wenn der Aufzug mit uns spricht. Die Ansagen „Tür öffnet“ und „Tür schließt“ sind ähnlich un-österreichisch wie die Formulierung „ich erinnere“ und verlocken mich immer zur Gegenfrage „Wen denn?“, doch ausser mir scheint sich niemand an diesem Informationsbruchstück zu stossen.

Glücklicherweise befördert mich der Aufzug trotz meines Spotts und lässt mich auch wieder aussteigen, denn er hört mir ohnehin nicht zu, sondern sondert vorläufig nur Monologe ab. Aber wie wird es werden, wenn wir unsere Beförderungswünsche nicht mehr per Knopfdruck sondern per Sprachsteuerung abgeben sollen? Nicht auszudenken, wenn der Lift mich nicht versteht. Wenn ich zwar reinkomme, aber nicht mehr raus, eben weil die Tür ‚nicht öffnet’. Etwa, wenn ich den falschen Akzent hätte. Sodass ich es trotz aller Aufforderungen "langsam und deutlich" zu sprechen, dem mechanischen Ohr niemals recht machen könnte. Sodass es mit meiner Geduld mit dem blöden Kastel bald vorbei wäre und ich ... ja was?

So geht es den beiden schottischen Schauspielern Iain Connell and Robert Florence in ihrer Burnistoun Sketch Show (Erstausstrahlung 1. Juni 2011). Online anzusehen unter https://www.facebook.com/BBCScotland/videos/1538070669556026/ oder www.bbc.co.uk/programmes/p00hbfjw. Weil dieser Sketch ‚some strong language‘ und ‚adult humour‘ enthält, muss man zuerst bestätigen, dass man mindestens 16 Jahre alt ist.

Ich kann es gar nicht oft genug ansehen. Jedes Mal weine ich heisse Lachtränen. Mein absolutes Aufputsch- und Heilmittel für jegliche meteorologischen oder seelischen Befindlichkeitsstörungen!

Meine bisherigen 'Fingerübungen' und Newsletter können hier nachgelesen werden. Ich freue mich, wenn sie weiterverbreitet werden!

Meine Fingerübungen kommen hin und wieder, wenn ich etwas zu erzählen habe.
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