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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

4/2015: Suppentherapie

www.kopfschmerzen.net/

Heute fühle ich mich nicht gut.

Bei kleineren Malaisen brüht unsereins erst einmal einen Kräutertee auf. ExpertInnen greifen gezielt zu Brennessel oder Huflattich, Kamille oder Eibisch. Wer botanisch weniger bewandert ist, probierts im Bedarfsfall mit ‚Kopf-wohl’, ‚Schlaf-gut-Tee’ oder ’Magenfroh’.

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In China würde ich mir statt des Kräutertees eine Gesundheitssuppe kochen.

Bei uns ist das anders: Es gibt nur wenige Indikationen für therapeutische Suppen. Magenverstimmung ist eine davon und Haferschleimsuppe die Antwort darauf. Schon der Name verheißt nichts Gutes. Aber sie beruhigt die Magennerven und schmeckt ‚eh nicht so schlecht’, versprechen ihre Anhänger. 

Die zweite bewährte Anwendung einer therapeutischen Suppe ist Liebeskummer: Minestrone. Dem zufrieden-wohlig-rundum glücklichen Gefühl nach dem Konsum einer ordentlichen Portion zu Hause gekochter Minestrone vermag selbst das ‚heulende Elend’ wenig entgegenzusetzen.

https://typicaltracy.files.wordpress.com

Die dritte Form unserer Gesundheitssuppen ist die Hühnersuppe: Wer einem niesend-hustend-fiebergeschüttelten Kranken seine Anteilnahme beweisen will, stellt sich an den Herd und serviert nach mehreren Stunden eine dampfende Brühe aus einem zerteilten Suppenhuhn, Karotten, Lauch, Sellerie, Nelken, Piment und Pfeffer sowie Salz. In den USA nennt man sie sogar ‚Jewish Penicillin’

Während wir westlichen Esser unsere Lebensmittel hauptsächlich nach den drei Kategorien ‚fett’/’süß’/’gesund’ unterscheiden, achtet die chinesische Küche stark auf Inhaltsstoffe. Denn was ein Mensch isst, beeinflusst seine Gesundheit. "In der täglichen Nahrung findet die praktische Verbindung von Essen und Medizin, die in der chinesischen Kultur seit dem mythischen Altertum eine untrennbare Einheit bilden, in der Suppe statt."

In China gibts für jegliche Befindlichkeit die richtige Suppe: Ob man zu Allergien oder Kopfschmerzen neigt, erschöpft ist, oder die Menstruation gerade hinter sich hat, ob man sich auf eine Prüfung an der Universität vorbereitet oder schwanger ist. Es gibt sie individuell zusammengestellt oder fertig abgepackt im Supermarkt.

Die Zusammensetzung der Suppe soll ausgleichen, gemäß den allgemeinen äußeren Einflüssen der Jahreszeiten und des Klimas, oder entsprechend dem gegenwärtigen Zustand des individuellen Essers; und sie soll allgemein oder speziell stärkend wirken.

Eins der verbreitetsten Stärkungsmittel ist Ginseng: es wird gegen Abgeschlagenheit und Stress eingesetzt, steigert das Lernvermögen und die Gedächtnisleistung. In jungen Jahren erzählte mir ein chinesischer Bekannter, dass seine Mutter ihm täglich Ginseng ins Essen gibt. Ich vermutete hinter seiner Erzählung unmoralische Absichten und war daher von dieser Eröffnung peinlich berührt. Damit hab ich mich gründlich blamiert. In unseren Breiten galt Ginseng damals nämlich (nur) als Potenzmittel.

Auch bei uns gilt Suppe bekanntlich als gutes Mittel zur Kräftigung, allerdings nicht dank Inhaltsstoffen sondern dank Fettaugen:

„Der Kaspar, der war kerngesund / ein dicker Bub und kugelrund / Er hatte Backen rot und frisch / die Suppe aß er hübsch bei Tisch.“

Als er aber aufhörte seine Suppe zu essen („Ich esse meine Suppe nicht / Nein, meine Suppe eß ich nicht!"), wurde er dünn und schwach. „Am vierten Tage endlich gar / der Kaspar wie ein Fädchen war / Er wog vielleicht ein halbes Lot / und war am fünften Tage tot.“ (‚Der Struwwelpeter’, 1845)

Umgekehrt kann man auch leben, wenn man (fast) nur Suppe isst. So berichtete beispielsweise Andy Warhol, Maler der berühmten 32 Campbell-Suppendosen: „Ich habe mich 20 Jahre lang von Suppe und Sandwiches ernährt.“ Eine der ältesten Campbell-Sorten ist die Tomatensuppe: Sie kam bereits 1895 auf den Markt; 1902 wurde das geheime Rezept weiter verbessert.

À propos Tomatensuppe: Eine mir sehr nahe stehende Person verübelte es ‚den Wienern’ zeitlebens, dass sie ihre Tomatensuppe zuckern. ‚Bei uns daheim’ hat eine Tomatensuppe ordentlich scharf zu sein, sagte mein steirischer Vater.

Meine lieben LeserInnen und ich könnten uns jetzt die Zeit mit Betrachtungen vertreiben, ob das zwidere Wiener Gemüt halt mehr Süße braucht als das steirische.

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