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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

5/2011: Ahnenforschers Erzfeind

Hallo ###USER_email###,

„hinter den Urgroßeltern fängt der Abgrund an“, erkennt Durs Grünbein in seinem köstlichen Gedicht 'Gedenke lieber nicht der Ahnen'. Denn: „Schockiert von Herkunft ist, wer zu viel fragt." Doch immer mehr Menschen haben keine Angst vor dem Abgrund, sondern forschen nach ihren Ahnen oder lassen forschen. Zum Beispiel von mir.

Ergiebige 'Jagdreviere' sind die Friedhöfe. Beispielsweise in Wien: 55 Friedhöfe, 570 Hektar Fläche. Der Wiener Zentralfriedhof ist mit 3 Mio. Bestatteten sogar der größte Friedhof Europas.

Sobald ich das entsprechende Grab mit Hilfe von Pfarrbüchern, Datenbanken und Archiven geortet habe, mache ich mich an die reale Suche. Zuerst gleicht sie einer Schnitzeljagd: Friedhöfe sind historisch gewachsen; manches Grab ist nicht da, wo man es erwarten würde. Dann kommt auch schweres Gerät zum Einsatz: Kräftige Gartenschere, dicke Handschuhe und eine kleine Säge. Wie eine Dschungelexpedition in einen romantisch-verwachsenen Friedhof.

Das gesuchte Grab zu finden ist eine ebenso große Herausforderung wie es schließlich auch lesbar zu machen. Ahnenforschers Erzfeind heißt Efeu! Seine unglaubliche Kletterfähigkeit, Anspruchslosigkeit und Ausdauer, die ihn zum Favoriten bei Häuselbauern und Betonarchitekten machen, ruinieren früher oder später jeden Grabstein. Eine Efeupflanze kann 400 Jahre und älter werden.

Efeufüsschen machen vor nichts Halt. Zwischen ihren Wurzeln und dem Stein sammelt sich Feuchtigkeit, angewehte Erde bleibt da und lädt Sporen und Bakterien zum Einnisten. Wurzeln wandern in winzige Spalten und sprengen sie zu Kratern. Gold blättert ab. Inschriften werden unleserlich und schließlich gänzlich zerfressen.

In diesem Fall vermittle ich auch gerne den Kontakt zu einem spezialisierten Steinmetz.

Der 'Abgrund', den Durs Grünbein in seinem Gedicht beschwört, kann aber auch lauern, wenn man zu weit zurück forschen will. Darüber berichtet uns ein weiterer Poet:

"Der Doktor lächelt jovial:
Verehrter, nun, dann gehn Sie mal
in unsern weltbekannten Zoo,
gleich vornean, Abteilung Zwo".
Da saß in seiner Käfig-Villa
ein Affe, nämlich ein Gorilla
und blickte traurig und verwundert
in unser jetziges Jahrhundert,
fing Läuse und verschlang Bananen.
Herr Kreitlein forschte nie mehr Ahnen."

Meine bisherigen Newsletters (zum Nachbestellen):

Britisches Hochzeitsfieber (April 2011) / Adieu, Du Liebliche (März 2011) / Die Mariahilfer Strasse ist voller Rätsel (Februar 2011) / Geh runter von meinem Compuhjjhjhjhjhx (Jänner 2011) / Denksport für PatriotInnen (Dezember 2010) / No Toilet - no Bride (November 2010) / Kennst di aus? (Oktober 2010) / Richtig schön (September 2010) / Fliegen macht dick (August 2010) / Väter haben's schwer (Juli 2010)

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