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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

7/2012: Hamster fängt man mit Nutella

Hallo ###USER_email###,


Tristan und Isolde hießen meine beiden Hamster, zwar als „garantiert zwei Weibchen“ gekauft, aber auf wundersame Art zu einem fruchtbaren Pärchen mutiert. Isoldes Schicksal verliert sich im Nebel meiner Kindheitserinnerungen, der übrig gebliebene Tristan entwich seinem Käfig, biss Durchschlupflöcher in die Filzdichtungen unter den Türen und lebte fortan ein relativ eigenständiges Leben. Uneingeweihte Gäste meiner Eltern zweifelten gelegentlich an ihrer Sehschärfe oder gar ihrem Geisteszustand, weil sie meinten, einen vorbeiflitzenden Hamster gesehen zu haben. Hinsichtlich beider Mängel konnten wir sie beruhigen.

Goldhamster sind als Heimtier nach wie vor populär und fruchtbar, rund 30 000 von ihnen sollen in österreichischen Haushalten leben. Schlechter geht’s hingegen den Feldhamstern: sie sind vom Aussterben bedroht und stehen daher auf der Artenschutzliste. Da ihr Lebensraum in Feld und Flur knapp geworden ist, übersiedeln sie gerne in Parks, zu Wohnhausanlagen, Kleingärten und auf Friedhöfe.

Hamster am Spitalsgelände. Foto: ORF

Besonders gut finden sie städtische Brachflächen, etwa den Wiener Verteilerkreis Favoriten (ca. 100 Tiere) oder das Gelände des Kaiser-Franz-Josef-Spitales (ca. 150 Tiere). Das ist blöd, denn über den Verteilerkreis Favoriten geht die geplante Verlängerung der U1 und im Kaiser-Franz-Josef-Spital soll ein Mutter-Kind- und OP-Zentrum gebaut werden. Das darf nicht sein, so lange die wehrhaften Wühler dort wohnen.

Also mussten sie mit sanftem Druck zum Umzug bewegt werden: Das waren einerseits ‚Vergrämungsmaßnahmen’ (z.B. die Entfernung des Rasens), andererseits Anpflanzungen von Luzern und Wiesenkleemischungen – eine der Lieblingsspeisen von Hamstern – auf dem neuen Areal. Solchen Aussichten konnten die wenigsten widerstehen – die meisten zogen freiwillig um.

Der Rest wurde mittels Nutella und Gemüsehäppchen in Lebendfallen gelockt und in ihr neues Quartier gebracht.

Hamster-Umsiedlungsprojekte sind schwierig, weil die Tiere lange schlafen (6 Monate und länger) und weil sie ausgeprägte Nahrungsvorräte anlegen. Daher ist das Zeitfenster für Übersiedlungen und Neuansiedlungen nur kurz und der neue Platz muss sehr gut vorbereitet werden, um ein Überleben wahrscheinlich zu machen. Aus diesem Grund gab es für die Hamster vorgefertigte Eigenheime, nämlich künstliche Hamsterröhren. Hamster legen bis zu einem Meter tiefe Baue an, die neben zahlreichen Gängen und Kammern auch eine senkrechte Fallröhre besitzen, in die sie sich bei Gefahr hinabstürzen. Die Wiener Projekte werden vom Department für Verhaltensbiologie im Biozentrum der Universität durchgeführt und wissenschaftlich begleitet.

Damit bei überraschenden Begegnungen mit einem frei laufenden Hamster niemand an eine Fata Morgana glaubt, wie einst die Gäste meiner Eltern, gibt es hier eine aktuelle Verbreitungskarte: http://www.univie.ac.at/ziesel_hamster/

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