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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

7/2013: Susanne K. verhält sich strafbar

Hallo ###USER_email###,

ich habe es verabsäumt, die Prüfplakette (vulgo 'Pickerl') mit meinem Kennzeichen aufs Auto zu kleben.

Existierte ein anderes Pickerl? Ja, das des Vorbesitzers.

War die Begutachtung abgelaufen? Nein, sie lief noch ein Jahr.

Bestand ein verkehrs- oder sicherheitstechnisches Risiko? Auch nicht.

Trotzdem: Ich erhielt eine 'Strafverfügung' über 70 Euro.

70 Euro für eine lächerliche und folgenlose Verwaltungsübertretung. Bei Uneinbringlichkeit muss ich 14 Stunden in den Knast. Die Stunde zu 5 Euro.

70 Euro ist dafür zu viel, schrieb ich der Behörde. Ich bitte um Herabsetzung auf 35 Euro.

Dann geben Sie uns Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie allfällige Sorgepflichten bekannt, bekam ich zur Antwort.

Sicher nicht!

Einen Monat später kommt wieder Post vom Amt: Jetzt muss ich sogar schon 80 Euro zahlen. Begründung für die Ablehnung meines Einspruchs: Da ich meine Verhältnisse nicht offen gelegt habe, wurden sie als "nicht ungünstig" angenommen.

Hä? Was hat mein Einkommen mit der Ausgewogenheit zwischen der Verwaltungsübertretung und der aufgebrummten Strafe zu tun?

"Die Behörde prüft nur, ob Sie sich die Strafe leisten können", erklärt mir die Rechtsberaterin des ÖAMTC. "Die exekutieren bloß das Gesetz. Dafür ist eigenes Denken nicht erforderlich."

Warum werde ich bestraft? Damit ich in Hinkunft von einem "gleichartigen strafbaren Verhalten" abgehalten werde, erfahre ich aus der Begründung.

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Macht irgendwie keinen Sinn. Oder ist tatsächlich zu befürchten, dass ich mit einem Messer - oder gar mit blutroten Krallen ? - mein inzwischen festgeklebtes Pickerl abkratze, um 'ein gleichartiges strafbares Verhalten' zu setzen?

Fast hätt ichs vergessen: Es gibt ja noch eine zweite Begründung für die Aufrechterhaltung der Strafhöhe! Es soll "auch eine allgemein abhaltende Wirkung erreicht werden".

Sie verstehen nicht, was das sein soll? Trösten Sie sich, ich verstehs auch nicht. "Bescheide werden aus vorgefertigten Textbausteinen zusammengesetzt", erfahre ich von der Rechtsberaterin des Automobilclubs.

Um 70 Euro kann ich mit dem Zug von Wien bis Bregenz fahren. Um 70 Euro kann ich einem Kind 1 Monat lang das Mittagessen im Wiener Kindergarten zahlen. Um 80 Euro kann ich bei 'Licht-fuer-die-Welt' die Trachomvorsorge für 8 Kinder finanzieren oder fast 3 Operationen gegen den 'Grauen Star', damit Menschen mit einer Kunstlinse wieder sehen können.

Okay, nach Bregenz will ich im Moment gerade nicht. Für alles andere würde ich das Geld gerne ausgeben. Ich hielte das für eine angemessene, sinnvolle und segenbringende Busse für mein Fehlverhalten.

Eines muss ich Euch aber noch sagen, liebe gegenwärtige und künftige Auftraggeber: IHR kriegt mich nicht für 5 Euro pro Stunde!

 

Meine bisherigen 'Fingerübungen' und Newsletter können hier nachgelesen werden. Ich freue mich, wenn sie weiterverbreitet werden!

Meine Fingerübungen kommen hin und wieder, wenn ich etwas zu erzählen habe.
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