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Susanne Krejsa MacManus' Fingerübungen

8/2014: Welche Ehre

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Eigentlich war es meine feste Absicht, Bürgermeisterin von Lübeck zu werden. Was gibt es Schöneres? Ich würde jeden Morgen, so gegen zehn, im herrlichen Cafe Maret am Marktplatz frühstücken, während draussen, vor der großen Fensterscheibe, mein Volk für mich singt und tanzt.

Als sich mein Lebensmittelpunkt zurück nach Wien verlagerte, ist dieser Plan verdämmert. Die nächsten Jahre war ich ohne genaue Vorstellung meiner künftigen Ehren. Aber jetzt gibt es wieder ein Ziel: Ich werde Jennifer Lopez, Bob Marley, Elivis Presley, Freddie Mercury, Bono und Mick Jagger nacheifern!

Nein, ich werde nicht singen. Ich habe eher an etwas Dauerhafteres gedacht.

J-Lo ist Namensgeberin der Wassermilbe Litarachna lopezae. Dieses seltene Tier, eine weitschichtige Verwandte von Spinnen, wurde unlängst in 70 Meter Meerestiefe vor der Küste von Puerto Rico gefunden und ist eine biologische Sensation. Eine optische oder gesangliche Ähnlichkeit zu J-Lo ist nicht auszumachen. J-Lo’s Songs und Videos haben vielmehr während der mühsamen Arbeit des Beschreibens und Publizierens dieser zoologischen Neuentdeckung für gute Stimmung im Team gesorgt.

'Gaga germanotta' aus Costa Rica

Elvis Presley war im Jahr 1993 'Taufpate' eines Dinosauriers, dessen Kamm den Beschreiber an Elvis denken ließ; was es mit der Spinne 'Paradonea presleyi' auf sich hat ist hingegen nicht bekannt. Der Regae-Sänger Bob Marley bekam einen parasitischen Krebs, Beyoncé eine australische Bremse und Lady Gaga einen Farn.

Die Liste skurriler wissenschaftlicher Namen aus der Biologie auf Wikipedia geht über mehrere Seiten und zeigt den Humor der Wissenschafter bei der Namensfindung. Nicht nur Musiker müssen herhalten; Prominente jeder Art und jeder historischen Periode werden verewigt, weiters fiktive Personen und Wesen aus Märchen, aus Büchern, Film und Fernsehen, gerne aus Romanen von J.R.R. Tolkien.

Oder Dinge: Zu meinen Lieblingen gehören beispielsweise der Rochen ‚Electrolux’, der seine Nahrung einsaugt und elektrische Schläge austeilen kann, und die martialisch aussehende Ameise ‚Proceratium google’, deren Namensgeber offenkundig ist.

Namensgeber für ein neuentdecktes Lebewesen zu sein würde meine geringfügigen Verdienste um die Biologie wieder ausgleichen. Einschlägige Anekdoten aus meiner (kurzen) Laufbahn als Biologin erzähle ich ein andermal.

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Blöd ist nur, dass ich mir nicht aussuchen kann, für welches Tier oder welche Pflanze ich vielleicht auserwählt werde. Mit dem Glück, das ich habe, tippe ich auf eine wander- und esslustige Gartenschnecke. Oder es geht mir wie Prinz Charles, dessen Freude über die Ehre möglicherweise dadurch getrübt wird, dass es sich bei Hyloscirtus princecharlesi um einen getupften Frosch handelt.

P.S. vom 29. 8. 2016: Ein paar amüsante Namensgebungen aus der Universität Wien gibt es hier.

Meine bisherigen 'Fingerübungen' und Newsletter können hier nachgelesen werden. Ich freue mich, wenn sie weiterverbreitet werden!

Meine Fingerübungen kommen hin und wieder, wenn ich etwas zu erzählen habe.
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